Neue Vertriebsstrategien in NRW: ID based Ticketing bringt das ÖV-Ticket auf die EC- und Kreditkarte

Vortrag von Herr Dr. Karl-Heinz Krempels, Kompetenzcenter Digitalisierung NRW (KCD NRW)

Am 24.03 referierte Herr Dr. Karl-Heinz Krempels vom Kompetenzcenter Digitalisierung  NRW (KCD NRW) zum Thema

Neue Vertriebsstrategien in NRW: ID based Ticketing bringt das ÖV-Ticket auf die EC- und Kreditkarte

Herr Dr. Krempels hat  Diplom und Promotion im Fach  Informatik an der RWTH Aachen erworben. Er verfügt  über 20 Jahre Forschungserfahrung aus den Tätigkeiten an der RWTH Aachen und in der Fraunhofer Gesellschaft. Forschungsschwerpunkte waren Intelligente Verteilte Systeme, Digitale Plattformen, Innovationsmanagement. Aktuell: Standardisierung und Digitalisierung beim KCD NRW.

Der Referent erläuterte die Vertriebsstrategie des Landes NRW anhand der Tarife eezyNRW  und D-Ticket, sowie die dazugehörenden Buchungswerkzeuge: eezy.NRW-App, mobil.NRW vs. DB Navigator und ID-Based Ticketing vs. Media Based Ticketing (MBT).

ID-Ticketing (IdBT) oder auch Account-Based Ticketing (ABT) ist in internationalen Metropolen wie New York, Sydney oder London gelebte Praxis. Die ÖPNV Digitalisierungsoffensive NRW verfolgt einen interoperablen Ansatz über Verbund- und Ländergrenzen hinweg.

Der kontobasierte Vertrieb einer Fahrtberechtigung ist eine bedeutsame Weiterentwicklung des digitalen Ticketings. In Nordrhein-Westfalen wurden mit BONNsmart und easyConnect im Aachener Verkehrsverbund zwei regionale Projekte ins Leben gerufen, deren Vertriebstechnik auf ABT beruht. 

Mit BONNsmart ging im September 2020 das erste Projekt an den Start. BONNsmart zielte vor allem auf den Einsatz von Bankkarten auf beliebigen Medien wie Debit- oder Kreditkarte, Smartphone oder Smartwatch und die dafür notwendige Infrastruktur.

Das zweite ABT-Projekt, easyConnect im Aachener Grenzland, verfolgt insbesondere den Aufbau einer Interoperabilitätsinfrastruktur zwischen Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Es gilt, systemtarifliche Unterschiede zu überwinden und ein nahtloses Check-in/Check-out-Verfahren zu realisieren. Im Testkorridor zwischen Köln und Maastricht können Fahrten mit der naveo-App des AVV gestartet und beendet werden. Die App erkennt während der Fahrt den Grenzübertritt und schaltet automatisch von den nordrhein-westfälischen Luftlinientarifen auf die niederländischen Streckenkilometer um. Die Preisbildung erfolgt durch Kombination der jeweiligen eTarif-Module.

In Media-Based-Ticketing-Systemen sind der Fahrschein und die zugehörigen relevanten Informationen auf einer Chipkarte, einem Smartphone oder einem anderen Medium gespeichert. Die Informationen werden lokal durch Terminals oder Prüfgeräte verarbeitet und – in der Regel im Laufe von 24 Stunden –  in zentralen Hintergrundsystemen abgeglichen. Das D-Ticket ist der Haupt- Anwendungsfall dieses Systems. Mit dem Angebot „WEB2Wallet“konnte für ortsfremde Besucher von Großveranstaltungen (Oktoberfest München, Karneval Köln) ein leicht zugängliches Ticketangebot geschaffen werden. Nach Scannen eines QR-Codes konnten die Besucher ein Ticket erwerben und mit Online-Bezahldiensten bezahen.

Das ABT dreht die Logik des Speicherortes um. Mit zunehmender Online-Verfügbarkeit ist es möglich, die Daten nicht mehr dezentral zu verteilen, sondern an einem Ort zentral zu speichern und zu verarbeiten. Das KCD NRW strebt den Einsatz eines zentralen Ticketspeichers an, der für alle Verkehrsunternehmen und auch für die im Einsatz befindlichen Pilotanwendungen zur Verfügung steht.

Die Durchsetzung und Akzeptanz von ABT in Deutschland wird aber sicherlich davon abhängen, dass mobiles Internet endlich flächendeckend ausfallsicher funktioniert, und damit die weitere Übertragung des technischen Risikos auf die Kundschaft gerechtfertigt werden kann.

Daneben bleibt aber auch der Anspruch bestehen, Fahrgästen ohne Handy-Affinität einen einfachen Ticket-Erwerb über aufladbare Chip-Karten ohne jede Registrierungs-Prozedur zu ermöglichen, wenn eine Barzahlung im Fahrzeug künftig entfallen und nur noch Kartenzahlung möglich sein  soll. Über dieses Ziel besteht Einigkeit unter den beteiligten, da es den Fahrausweis-Verkauf im Fahrzeug deutlich beschleunigt und somit einen positiven Beitrag zur Betriebsstabilität erbringen wird.

 

Links: https://www.kcd-nrw.de/

Ine Übersicht über die in der Entwicklung befindlichen Projekte in Regie des Landes NRW finden Sie unter https://digitalemobilitaet.nrw/index.html