Unsere diesejährige Exkursion mit anschließendem Sommerfest führte diesmal auf das Gelände der ehemaligen Kokerei Hansa in Dortmund.
Die Kokerei und das nördlich anschließende Freigelände sind Teil der Internationalen Gartenausstelung IGA, die 2027 diesmal dezentral an mehreren Standorten im Ruhrgebiet stattfindet. Das Thema lautet: “Wie wollen wir morgen leben?“ Die Ausstellung besteht aus drei eintrittspflichtigen „Zukunftsgärten“ in Dortmund, Duisburg und Gelsenkirchen, sowie frei zugänglichen Anlagen in Bergkamen / Lünen und "Emscherland" im Kreis Recklinghausen. Die Kokerei Hansa war im Jahr 1998 unter Denmalschutz gestellt worden und bildet seither einen Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur. Zur IGA wird der Gebäudebestand erneut saniert. Das sich nördlich anschließende Freigelände gehörte ebenfalls zur Kokerei und wird nunmehr erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es beherbert den gartenbaulichen Teil des IGA-Standortes. Bei unserem Besuch waren bereits die Wege und die zu bepflanzenden Themenparzellen eingerichtet. Das Gelände erhält künftig auch Wegeverbindungen zu benachbarten Freigeländen Deusenberg und Mooskamp. Hierzu wurde eine Verbindungsbrücke über die Bahnstrecken errichtet. Der Haupteingang zum Gelände liegt am südlichen Ende der Kokereigebäude. Er soll mittels eines Pendelbussystems bedient werden, Parkplätze werden nur für schwerbehinderte Besucher(innen) zur Verfügung gestellt.
Im Anschluss an den Rundgang gab es einen Vortrag von Hern Lars Hirschfeld, DSW 21 zum Thema „Dortmund mobil, die Entwicklung des Nahverkehrs in den nächsten Jahren“.
Die DSW 21 betreiben den ÖPNV in den Stadtgebieten von Dortmund und Castrop-Rauxel. Das Angebot umfasst 8 Stadtbahn- und 77 Buslinien sowie die H-Bahn. Es stehen 140 Stadbahnwagen und 172 Linienbusse, davon 30 Elektrobusse zur Verfügung. Der Betrieb wird u.a. aus Querverbunderlösen finanziert und kommt somit ohne Zuschüsse aus dem städtischen Haushalt aus.
Im Rahmen der finanzielen Möglichkeiten hat das Unternehmen die folgenden 3 Verbeserungen im Angebot vorgenommen:
- Linie 400:
Mit Einführung einer neuen Ringlinie 400, die im Kernabschnitt im 10-Minuten-Takt verkehrt, werden zahlreiche Wege und Umsteigeverbindungen verkürzt, sowie direkte Querverbindungen und verbesserte Anschlüssen am Hauptbahnhof hergestelt. Der Impuls durch ein neues Angebot hat dazu geführt, dass auch konfliktreichere Infrsatrukturmaßnahmen, wie z.B. 2 Buisspuren vor dem Hbf. oder neue Haltestellenanlagen mit Aufhebung von Pkw-Parkplätzen von der Politik akzeptiert werden konnten. Die Einführung des neuen Angebotde wurde zugleich intensiv beworben.
- City-Takt Plus:
Der durchgängige 10- Minuten-Takt auf den Stadtbahnlinien soll auf weiteren nachfragestarken Linien zu einem 5-Min.-Takt verdichtet werden. Dies setzt allerdings voraus, dass sowohl der Personalbestand im Fahrbetrieb als auch der Fahrzeugpark entsprechend vergrößert werden.
- DOnight:
Das Konzept für einen erweiterten Nachverkehr sieht vor, den regulären Stadtbahnbetrieb nachts um eine Stunde zu verlängern und den ersten Umlauf der NE-Linien zu verlängern.
Die NE- Busse sollen mit der Stadtbahn verknüpft werden und die weitere Feinverteilung übernehmen.
Allgemein: Die Stadt Dortmund sieht in den diversen Mobilitätsplänen eine Angebotsoffensive und eine Steigerung des jetzt schon sehr guten Modal-Split-Wertes von 24 % auf 30% vor. Die Umsetzung dieser Vorgaben in konkrete Maßnahmen bedingt jedoch zum einen eine erhebliche kostenintensive Leistungsausweitung, zum anderen auch die Bereitschaft der Politik zu Push- Maßnahmen gegenüber dem IV, die wie am Beispiel der Linie 400 gezeigt, nur mühsam ereicht werden kann.
Eine Ausweitung des Stadtbahnnetzes durch Linienverlängerungen ist aktuell nicht in Planung, da einige Linien an den Außenästen relativ nachfrageschwach sind. Hier kommen eher die Beseitigung von Eingleisigkeiten und Schaffung besonderer Bahnkörper mit barrierefreien Haltestellen in Betracht. Dagegen soll die H-Bahn von der Haltestelle „Universität“ nach Osten entweder zur Haltestelle „Theodor-Fliedner-Heim“ oder „Barop Parkhaus“ mit Anschluss an die U 42 verlängert werden um die Parkplätze an der Universität auch für Messen / BVB-Spiele nutzbar zu machen.
Der aktuelle Modernisierungsschwerpunkt liegt bei der Beschaffung von E-Bussen und Ausrüstung der Betriebshöfe, insb. Neubau des Betriebshofes Castrop-Rauxel. Die DSW 21 haben sich hier frühzeitig auf BEV und Depotladung festgelegt. Das Betriebskonzept sieht zunächst keine Zwischenladung vor.
Zum Sommerfest konnten wir diesmal auf dem Kokerei-Gelände verbleiben, der vorhandene Gastronomiebetrieb, der normalerweise Dienstags geschlossen ist, hatte Biergarten und Restauration extra für uns geöffnet.
https://www.industriedenkmal-stiftung.de/denkmale/kokerei-hansa
