Aktuelles / Presse Archiv

Holger Plötz: Der SPNV in NRW – zwischen Bonus und Malus

Am 30.11. 2010 referierte Herr  Holger Plötz, Leiter der Unternehmensentwicklung der DB Regio NRW GmbH, Düsseldorf zum Thema:

Der SPNV in NRW – zwischen Bonus und Malus

Herr Plötz stellte zunächst das Unternehmen vor: Die DB Regio NRW GmbH ist auch nach Durchführung von insgesamt 33 Wettbewerbsverfahren im Land der deutlich größte Anbieter von SPNV – Dienstleistungen. Sie hat 15 Verkehrsverträge auch in Ausschreibungen gewonnen und fährt weiterhin die bislang noch nicht im Wettbewerb  vergebenen Leistungen. Mit 3.700 Mitarbeitern werden täglich 3.400 Zugfahrten durchgeführt und 1 Mio. Fahrgäste befördert. Der Jahresumsatz liegt bei rd. 1 Mrd. €. Das Unternehmen ist aufgeteilt in 4 Verkehrsbetriebe: S – Bahn Rhein – Ruhr Essen, Verkehrsbetrieb Rheinland Köln, Westfälische Regionallinien Dortmund und Express – Netz NRW Düsseldorf.

Die Bestellung von SPNV – Leistungen obliegt in NRW nunmehr nur noch 3 Aufgabenträgern anstelle von zuvor 9 Zweckverbänden, welche die Vertragsgestaltung unterschiedlich handhaben.

Ein Anreizsystem ist jedoch in vielen Verträgen enthalten: Bei den Bruttoverträgen (z.B. im VRR üblich) verbleiben zwar zunächst alle Einnahmen bei den Bestellern, es wird jedoch für jede einzelne Linie die Reisendenentwicklung beobachtet. Liegt diese mehr als 1% über dem Durchschnitt aller Linien im Verbund, erhält das Unternehmen einen Bonus von 0,5% auf den Grundanspruch Fahrbetriebskosten. Für den Fall von rückläufigen Reisendenzahlen besteht eine spiegelbildliche Malus – Regelung. Die Netto – Verträge werden nach einem „Kick - Back – Modell“ gestaltet. Ausgehend von dem Jahr 2007 wird ein jährliches Einnahmeplus von 2,75% gegenüber dem Vorjahr unterstellt. Darüber hinausgehende Mehreinnahmen teilen sich Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen zur Hälfte.

Für die Qualität des Angebotes existieren ebenfalls Bonus – Malus – Regelungen.

Die Aufgabenträger überwachen die Qualität mit Hilfe eines EDV – gestützten Controlling – Systems (QuMa) wobei 13 Kriterien (z.B. Pünktlichkeit, Fahrzeuge, Stationen...) insgesamt und linienbezogen ermittelt werden. Das System ist Internet – basiert, die Aufgabenträger in NRW, aber auch in Rheinland – Pfalz können über einen passwortgeschützten Zugang jederzeit auf den Datenbestand zugreifen.

Insgesamt hält Herr Plötz die Einhaltung des Qualitätskriteriums Pünktlichkeit gerade in NRW für besonders anspruchsvoll, da das Netz dort mit 1,80 Zügen pro Streckenkilometer die mit Abstand dichteste Belegung aufweist, der bundesweite Vergleichswert liegt nur bei 1,15 Zügen. Das NRW – Netz stellt sich bereits heute als wesentlicher Engpass im Gesamtnetz dar, insbesondere vor dem Hintergrund einer zu erwartenden Zunahme des SGV um 65% bis zum Jahr 2025. Besonders dringlich erscheint der vollständige dreigleisige Ausbau der Strecke Emmerich – Oberhausen als Fortsetzung der „Betuwe – Linie“, die bereits heute mit 215 täglichen Zugfahrten belegt ist, und für welche in 2015 293 und im Endausbauzustand 388 Züge täglich erwartet werden. Von Seiten der Zuhörer wurde - wie bereits mehrfach auf voraufgegangenen Veranstaltungen geschehen - eine deutliche Benachteiligung des größten Ballungsraumes bei Infrastrukturmaßnahmen des Bundes beklagt, die aktuell z.B. in der Sperrung der Müngstener Brücke einen traurigen Höhepunkt findet.

Abschließend erläuterte Herr Plötz noch einmal die Unternehmensphilosophie und – künftigen Ziele:

Hauptwettbewerber des SPNV sei weiterhin der IV, so dass alle Schienenverkehrsunternehmen eine besondere Verantwortung für das Funktionieren des Gesamtsystems hätten. DB Regio NRW versteht sich hier als Dienstleister mit umfassender Angebotspalette, die von der Beratung der Aufgabenträger bis zur Stellung von Ersatzfahrzeugen für Wettbewerber reicht. Der Wettbewerb im SPNV werde künftig ausschließlich von solchen Gesellschaften weiter betrieben werden, welche eine Staatsbahn als Partner / Miteigentümer „im Rücken“ hätten. Die Anbieterlandschaft in NRW sei bereits entsprechend ausgestaltet. Nicht tarifgebundene Tochtergesellschaften von DB Regio lägen in der Entgelthöhe immer noch über dem Niveau der Wettbewerber, gleichwohl bleibt auch für DB Regio der Abschluss eines Branchen – Tarifvertrages die gerechteste Lösung.

 

Die zum Vortrag gezeigten Präsentationsfolien finden Sie im Download – Bereich.