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Umbau des Stadtbahnwagens B bei der KVB

Am 28.09.2010 hatte der WVV im Rahmen seiner Jahresexkursion die Gelegenheit, sich in der Hauptwerkstatt der Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) über den Stand der Umbauplanung für die Stadtbahnwagen B zu informieren.

Herr Theo Kirfel, Leiter der Gruppe Fahrzeugtechnik und seit 35 Jahren bei der KVB beschäftigt, erläuterte zunächst die Gründe, Rahmenbedingungen und Ziele des bevorstehenden Umbauprogramms. Dies sind zum Einen die Kostenentwicklung bei der Beschaffung von Neufahrzeugen (hier sind durch den Umbau Preisreduktionen in der Größenordnung von 50% erzielbar) und zum Anderen der Erhalt und die Fortentwicklung von betriebsinternen Qualifikationen im Werkstattbereich. Nach zuletzt 252 neuen Bombardier-Fahrzeugen vollzieht man bei der KVB mit diesem Schritt einen Paradigmenwechsel.

Für den Umbau wurden 28 Fahrzeuge der Baujahre 1984/1985 (KVB-Serie 2100) ausgewählt, die Herr Kirfel seinerzeit selbst noch beim Hersteller abgenommen hatte. Intern wird das Programm als „Sanierung“ bezeichnet mit dem Ziel, die Fahrzeuge unter Beibehaltung möglichst vieler bewährter Komponenten für eine weitere Laufzeit von 25 – 30 Jahren zu ertüchtigen. Zugleich sollen jedoch die neu verwendeten Teile möglichst mit denen des bestehenden Fahrzeugparks übereinstimmen. In den Baujahren 1984 /1985 wurden Stadtbahnwagen noch mit einer Vielzahl von elektromechanischen Steuerungselementen anstelle der heute verwendeten Elektronik versehen. Diese können daher ohne erneute Zulassungsverfahren weiter verwendet werden. Andererseits lässt die Aufsichtsbehörde offene Scharffenberg-Kupplungen an der Fahrzeugfront nicht mehr zu, weil im Straßenbahnbetrieb auch im öffentlichen Verkehrsraum gefahren wird. Sie werden daher durch handbetriebene Knickkupplungen ersetzt. Für den EBO–Betrieb kommen verstärkte Achsen aus neuen Materialien entsprechend den erhöhten Anforderungen des Eisenbahnbundesamtes zum Einsatz. Die schon vorhandene Luftfederung der Fahrzeuge wird beibehalten, ebenso das Trittstufensystem, wobei nach Umbau aller Haltestellen auf die unterste Stufe (SO) verzichtet werden kann.

Die Gestaltung der Fahrzeugfront lehnt sich ebenso an den vorhandenen Wagenpark an, wie die vollverglasten Türen, die zudem einen neuen Antrieb erhalten. Der Wagenkasten wird komplett freigelegt, entrostet und neu lackiert, wobei in den am stärksten korrosionsgefährdeten Bereichen unterhalb der Fenster in jedem Fall neue Bleche erforderlich werden. Entsprechend der heute gestiegenen Komfortanforderungen erhalten die Fahrzeuge eine Dachklimaanlage mit großflächigem Luftaustritt (plus 1,25 t), wobei auf die Einhaltung der auf den Rheinbrücken höchst zulässigen Achslast von 10 t zu achten ist. Im Innenraum sollen die vorhandenen GFK–Verkleidungen – vorbehaltlich ihrer weiteren brandschutztechnischen Verwendbarkeit – beibehalten und aufgearbeitet werden, die Dachvouten und die Beleuchtung werden neu gestaltet. Die Kunststoff – Schalensitze werden durch die aktuell bei den Neufahrzeugen üblichen Modelle ersetzt. Insgesamt wird die Sitzplatzzahl zugunsten von Mehrzweckbereichen leicht reduziert, andererseits können zusätzliche Sitze durch Fortfall des 2. Fahrerstandes im Heck angebracht werden. Die Fenster werden wie bisher mit Gummiummantelungen eingepasst und nicht geklebt. Zusätzlich sind alle Fenster geteilt und klappbar, da die Leistungen der Klimaanlagen bei vollbesetzten Fahrzeugen, wie bei in Köln häufigen Großveranstaltungen üblich, nicht ausreichen.

Da die KVB selbst lediglich als Waggonbauer auftreten, werden für das Projekt insgesamt 13 Leistungen ausgeschrieben. Davon sind derzeit 11 im laufenden Verfahren. Der Prototyp der neuen KVB-Serie-2400 soll Anfang 2011 ausgeliefert werden, bevor ein Jahr später die Auslieferung der weiteren 27 Fahrzeuge beginnt. Die Eigenleistungen der KVB-Werkstatt werden durch 12 Mitarbeiter bis zum Jahr 2016 erbracht, deren Arbeitsplätze damit gesichert werden können. Die Umbauzeit wird sich im Verlauf des Programms von 32 auf 24 Wochen pro Fahrzeug reduzieren. Der Umbau der Flotte soll insgesamt knapp 45 Mio. EUR kosten.

Für eine mögliche Fortsetzung stehen ggfs. noch 50 weitere Wagen  des Typs B 80 D (KVB-Serie 2300) zur Verfügung, ein Umbau von Niederflur-Fahrzeugen ist jedoch zur Zeit nicht vorgesehen.

Bei einem Rundgang durch die Werkstatt konnte das Mock-Up der neuen 2400er-Fahrzeugfront besichtigt werden. Zudem gab Herr Kirfel einen Einblick in das umfangreiche Leistungsprogramm, welches die KVB–Werkstatt auch für andere Verkehrsbetriebe anbietet.

Insgesamt konnte Herr Kirfel überzeugend verdeutlichen, dass das Umbauprogramm der Stadtbahnwagen B für die KVB keine Notlösung ist, sondern einer Strategie zum langfristigen Werterhalt folgt, die viele in der Praxis bewährte langlebige Komponenten erhält und sie intelligent mit modernen Technologien ergänzt. Auf diese Weise scheint das Ziel, einen (fast) neuen Zug auf´s Gleis zu stellen, der seine Nachfolger aus der Zeit der Jahrtausendwende sogar überleben könnte, tatsächlich erreichbar.

 

Unser herzlicher Dank für diese gelungene Veranstaltung gilt Herrn Kirfel und seinen Mitarbeitern.

Die zum Vortrag gezeigte Präsentation finden Sie im Download - Bereich