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Trotz Corona, Klimaschutz im Verkehr, Vortrag von Herrn Prof. Dr. Christian Holz-Rau, TU Dortmund

Premiere bei der Bezirksvereinigung Rhein-Ruhr-Westfalen in Corona-Zeiten: Am 26.05.2020 organisierte die Bezirksvereinigung (BV) erstmals einen OnlineVortrag. Herr Prof. Dr.-Ing. Christian HolzRau, TU Dortmund, referierte zum Thema „Trotz Corona: Klimaschutz im Verkehr“. Prof. Holz-Rau leitet seit mehr als 20 Jahren das Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung in der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund. Er befasst sich vorrangig mit Fragen der Mobilitätsforschung, der strategischen Verkehrsplanung und Verkehrspolitik. Aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen wurde die ursprünglich als Präsenz-Vortrag vorgesehene Veranstaltung in einen OnlineVortrag umgewandelt. Die Mitglieder der BV erhielten per Rundmail den Link zur Einwahl, zudem wurde dieser Link auch in den Veranstaltungskalender auf der Homepage übernommen.
Auch wenn zurzeit Mobilitätseinschränkungen zum Schutz vor Corona die Diskussion dominieren, bleibt der Klimaschutz im Verkehrsbereich die zentrale Langfristaufgabe der Verkehrspolitik. Der Referent stellt die Klimabeschlüsse der Bundesregierung und eine Reihe weiterer Vorschläge auf den Prüfstand. 
Eine CO2-Bepreisung ist zunächst ein geeignetes Mittel, Vermeidungs- und Verlagerungseffekte im Verkehr verträglich zu gestalten. Der gewählte Betrag von 15 ct CO2-Abgabe auf den Liter Kraftstoff ist jedoch deutlich zu gering angesetzt und führt einkommens- und inflationsbereinigt sogar zu geringeren Kraftstoffpreisen in 2025 im Vergleich zu 2019. Die Kompensation durch Anhebung der Kilometerpauschale fällt dagegen deutlich zu hoch aus, so dass insgesamt sogar eine Verbilligung des Kfz-Verkehrs entsteht, die im wesentlichen Besserverdienenden Pkw-Nutzern mit hohen Verbräuchen und 
längeren Reiseweiten zu Gute kommt. Der Effekt wird zudem verstärkt durch die Entwicklung des Benzinpreises, welcher nicht in gleicher Weise steigt wie vergleichbare Lebenshaltungskosten, insbesondere Wohnraummiete oder ÖPNV-Tarife.
Dies führt dazu, dass die Verbräuche und CO2-Emissionen der Neufahrzeuge in Deutschland im europäischen Vergleich am höchsten sind, und auch sonstige Anreize zur Anschaffung sparsamer Fahrzeuge fehlen. Eine gestaffelte Zulassungsabgabe, die in Dänemark den Kaufpreis z.B. eines Porsche Panamera Hybrid gegenüber Deutschland verdoppelt, könnte eine deutliche Lenkungswirkung schon vor Anschaffung des Pkw bewirken, ohne den Besitzer nachträglich zu bestrafen. Eine Steuererhöhung für ältere Fahrzeuge hätte aber genau diesen Effekt, würde aber nur in Ausnahmefällen zu einer vorzeitigen Verschrottung führen. Zudem machen die Kraftstoffkosten bei hochpreisigen Fahrzeugen nur einen geringen Teil der Betriebskosten aus, so dass auch darüber kaum Lenkungswirkung zu erzielen ist. Die erneut angedachte Auto-Kaufprämie wird aber wieder nicht auf kleine sparsame Fahrzeuge beschränkt. Insgesamt können daher von den von der Bunderegierung beschlossenen Maßnahmen leider keine Entlastungen für die Umwelt erwartet werden.
Als veranstaltungstechnisches Fazit ist festzuhalten, dass eine Online-Konferenz durchaus neue Möglichkeiten der Diskussion – verkehrsvermeidend und infektionsgeschützt – bietet. Die zwischenzeitliche Teilnehmerzahl lag mit knapp 40 deutlich über der bei Präsenzvorträgen 
üblichen Nachfrage. Bild- und Tonqualität der „Microsoft-Teams“-Konferenz waren unterschiedlich, je nach gewähltem Browser. Die Zahl der schriftlichen Beiträge im Chat-Room überwog deutlich die Wortbeiträge per Mikrofon. Auffällig war zudem das schwache Diskussionsverhalten der Teilnehmer. Dementsprechend muss es zukünftig für den Vortragenden und Moderierenden eine Motivation sein, die Teilnehmer zu spontanen, persönlichen Beiträgen zu bewegen. Die zum Vortrag gezeigten Folien finden Sie im DownloadBereich der BV Rhein-Ruhr-Westfalen. Eine Video-Aufzeichnung der Veranstaltung ist in Vorbereitung. 
Der nächste Online-Vortrag ist für den 30.06.2020 vorgesehen. Herr Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Universität Duisburg-Essen, wird zum Thema „Verkehr in Corona-Zeiten“ referieren. Hierzu ein kurzer Ausblick: Während der Corona-Krise gab (und gibt) es drastische Veränderungen im Mobilitätsverhalten der Menschen. Dieses war nicht konstant, sondern veränderte sich im Laufe der Pandemie. Dabei waren Aspekte wie die Meidung des öffentlichen Verkehrs wie auch die zunehmende Nutzung von Home-Office und Mobile Working von grundlegender Bedeutung. Inwieweit nach der CoronaKrise, wann auch immer, zum alten Verhalten zurückgekehrt wird, ist weitgehend unklar. Jedenfalls bot sich hier die Möglichkeit, den Umwelteinfluss von Verkehr aufgrund der deutlichen Senkung wie in einem Laborexperiment zu analysieren.   

Die zum Vortrag gezeigten Präsentatinsfolien finden Sie im  Download-Bereich


Axel Sindram und Roland Schmidt BV Rhein-Ruhr-Westfalen e.V.