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Kinder an die Macht, moderne Schulwegplanung, weniger Elterntaxis

Am 28.05 referierte Herr Jens Leven, Geschäftsführer der bueffee -Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation – GbR Wuppertal zum Thema


„KINDER AN DIE MACHT - MODERNE  SCHULWEGPLANUNG -WENIGER ELTERNTAXIS, DER FRREIRAUM FÜR KINDER BEGINNT AUF DEM SCHULWEG“

 

Herr Leven betreibt das Büro seit 20 Jahren und hat in dieser Zeit gemeinsam mit zahlreichen Kommunen, Schulen, Straßenverkehrsämter und Polizeidienststellen im gesamten Bundesgebiet u.a. Pläne für sichere Schulwege entworfen, die „Elterntaxi“-Problematik erörtert, Aktionspläne an den Schulen  für das Zu-Fuß-gehen betreut und Hol- und Bring- Zonen eingerichtet.

Er ist u. a. Autor des ADAC-Leitfadens „Elterntaxi“, des BASt-Leitfadens „Schulwegpläne leichtgemacht“ und Entwickler des Schulwegcheck-Programms; evaluiert aktuell das NRW-Verkehrszähmerprogramm des Zukunftsnetzes Mobilität; die bueffee GbR hat das „Integrierte Kommunale Sicherheitsmanagement“ entwickelt, das innovative Verkehrssicherheitsarbeit und modernes Mobilitätsmanagement verbindet. Er berät u. a. bundesweit Kommunen, Lehrkräfte, Polizei und Verwaltungen im Bereich der Schulverkehrsplanung, Schulwegplanung sowie der Einrichtung von sicheren Hol- und Bringzonen.  

Er ist zu diesem Thema in weiteren Institutionen und Verbänden unterwegs.

Seit Jahren steigt der Anteil der Kinder, die mit dem Auto zur Grundschule kommen. Bei schlechtem Wetter sind dies heute im Schnitt über 33 % der Kinder, die angeben, regelmäßig mit dem Auto gebracht zu werden. Freie Schulwahl, zunehmende Autoverfügbarkeit, sich wandelnde Erwerbsbiografien, Zeitdruck in den Familien oder auch die Sorge der Eltern vor Verkehrsunfällen durch wachsende Verkehrsmengen, können Ursachen für zunehmende Hol- und Bringverkehre im Umfeld der Grundschulen sein. 

Ein differenziertes Schulangebot und die Aufhebung der Schulbezirke sorgen zudem für immer weitere und wenig bündelungsfähige Schulwege, die daher häufig mit dem ÖPNV oder auch mit Schülerspezialverkehren des Schulträgers nicht zufriedenstellend bedient werden können.

Der Verkehr mit „Elterntaxis“ wird inzwischen von ¾ aller befragten Grundschulen als problematisch angesehen. Appellative Ansprachen von Eltern oder repressive Maßnahmen unter Einschaltung von Polizei oder Ordnungsämtern haben bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht, daher sollten neue Wege zur Fußverkehrsförderung beschritten werden. Grundschulkinder gehen wieder häufiger zu Fuß zur Schule, wenn die Fußwege aus Elternperspektive zumutbar und sicher sind und wenn die Kinder Motivation besitzen, diese Wege auch zu Fuß zu gehen. Man muss schulische Mobilität verstehen, um sie verändern zu können. Zu den Erfolgsfaktoren für mehr Freude am zu Fuß gehen und damit weniger Hol- und Bringverkehr vor den Schulen gehören drei Schlüsselkriterien, die in Kombination erfüllt sein sollen (MAS-Kriterien): Motivation, Attraktivität, Sicherheit.

Häufig sind aber auch als Risiko empfundene Schwachstellen auf den Schulwegen ursächlich für die Entscheidung der Eltern, das Kind mit dem Auto zu fahren, Die Empfehlung zum Zu-Fuß-gehen kann  daher nur dann gegeben werden, wenn die Fußwege auch geeignet sind. Unfallhäufungsstellen an Schulen sind mittlerweile bundesweit entschärft, die Zahl der auf dem Schulweg getöteten Kinder ist auf 60 pro Jahr gesunken.

Allerdings werden die Vorgaben der EFA zur Gestaltung von Fußverkehrsanlagen den Bedürfnissen von Kindern in keiner Weise gerecht. Verkehrskompetenz wird ab dem 6. Lebensjahr allmählich erworben, Kinder brauchen zunächst eine längere Zeit zur Orientierung um einen Weg zurück zu legen. Gemessen an diesem Zeitbedarf ist die maßgebliche Zahl von Kfz/h deutlich zu hoch angesetzt, Querungshilfen wären daher schon bei deutlich geringeren Fahrzeugbelastungen erforderlich. Auch die Begrenzung der „besonderen Anforderungen“ auf einen 200 m-Radius um das Schulgebäude greift angesichts im Mittel wesentlich längerer Schulwege deutlich zu kurz und löst ebenfalls die Entscheidung für das „Elterntaxi“ aus.

Im Rahmen des „Verkehrszähmerprogramms“ wurde für die Schulen der Stadt Heidelberg eine Halbierung der Autofahrten und eine Verdoppelung der Fußwege zur Schule erreicht, wozu auch die Fußwege aus einer Hol-und Bringzone zählen. Die Ansprache erfolgt über die Kinder selbst, die z.B. in der Klasse für zurückgelegte Fußwege „Sternchen“ sammeln und anschließend eine Belohnung für die ganz Klasse erhalten. Wichtig vor allem für die Weitervermittlung an die Eltern ist aber, dass diese Maßnahmen keinen „erhobenen Zeigefinger“ oder gar Repressionen enthalten.

Schließlich bemängelte der Referent auch die häufig fehlende Bereitschaft oder Kapazität vieler Kommunen, für die Einhaltung der Verkehrsregeln vor Schulen zu sorgen. Verkehrs- oder sichtbehinderndes Parken müsse notfalls durch bauliche Maßnahmen unterbunden werden.

 

Weitere Informationen: www.bueffee.de