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Exkursion und Sommerfest in Arnhem

Mit einer neuen Rekord-Teilnehmerzahl von 28 führte unsere diesjährige Sommer-Exkursion nach Arnhem.

Anlass war die Eröffnung der neuen grenzüberschreitenden stündlichen RE-Verbindung (RE 19) zwischen Düsseldorf und Arnhem mit Geltung des VRR-Verbundtarifs für die gesamte Strecke. Auf der Hinfahrt informierten uns die Herren Kowallik und Obliers von Abellio GmbH über das neue Angebot. Abellio Deutschland ist nunmehr eine 100%-ige Tochterfirma der NS und hat die Ausschreibung für das "Niederrhein-Netz" des VRR mit den Linien RE 19 sowie den RB´en  32 und 35 gewonnen.Die Verträge mit der Provincie Gelderland hat der VRR ausgehandelt, die Provincie ist nicht Vertragspartner von Abellio. 

Die Züge wurden über das VRR-Finanzierungsmodell beschafft und sind Eigentum des VRR. Weil zwischen Landesgrenze und Zevenaar die Neubaustrecke befahren wird, waren 3-System-Fahrzeuge für 15 und 25 KV AC sowie 1,5 KV DC erforderlich, wobei aber die Zusatzausrüstung für die 2. Wechselspannung keine besonderen Mehrkosten verursacht 

Im "Stadtskantoor" empfingen uns dann zahlreiche Referenten und Gesprächspartner

für die Stadt Arnhem Frau Maud de Groot sowie Herr Alex Uil,

für das Economic Board Frau Sigrid Helbig

für die Firma Trans Link BV, den Anbieter der OV-Chipkaart, Herr CEO Arco Groothedde

für den Obus-Betrieb Breng Herr Hans Aldenkamp

für die Firma Fransen Technical Services (Pkw- Ladeinfrastruktur) Herr Jan Fransen,

für die Firma Kiepe Elektrik NL Herr Jan Huijben sowie 

der Nahverkehrsplaner Herr Herman Wilmer

Herr Groothedde erläuterte zunächst das Zustandekommen und den Erfolg des landesweiten OV-Chipkaart-Systems in den Niederlanden.

Mit diesem landesweit einheitlich zu bedienenden System haben die Niederlande europaweit den derzeit höchsten Standard im Bereich des electronic ticketings erreicht. Es galt, die unterschiedlichen Interessen von Großstädten, ländlichem Raum, kleinen und größeren Verkehrsbetrieben, sowie der NS zu koordinieren. Die wesentlichen finanziellen Vorteile des Systems bestehen darin, dass zum einen die prozentualen Anteile des Ticketings an den gesamten Produktionskosten des ÖV deutlich gesenkt werden, zum anderen kann jeder Beteiligte weiterhin seinen eigenen Tarif beibehalten, so dass Ausgleichsansprüche für die Anwendung von Gemeinschaftstarifen minimiert werden. Ein weiterer positiver  Effekt besteht in der Senkung der Schwarzfahrerquote, die in den Großstädten z.T. deutlich über 10% lag. Noch zu optimieren bleibt der Umstieg von einem Verkehrsunternehmen zum anderen. Derzeit ist noch ein Aus- und Wiedereinchecken erforderlich, was für die Kunden doch eher gewöhnungsbedürftig war. Auch das Auschecken am Ende einer Fahrt wird noch gelegentlich vergessen. Trans Link rechnet aber damit, dass die Bevölkerung das System akzeptiert, immerhin übertrifft die Zahl der ausgegebenen OV-Chipkarten bereits heute die Zahl der Einwohner in den Niederlanden.

Anschließend berichtete Herr Uil für die Stadt Arnhem über die Vorhaben zur Erweiterung des Obus-Netzes und dessen Nutzung als Smart Grid. Geplant ist, die derzeit parallel zu den Obus-Linien unter dem Fahrdraht verkehrenden Linien, die bereits jetzt mit abgasarmen Erdgasmotoren betrieben werden, auf IMC (In Motion Charging)-Busse umzustellen. Nach der Ladung während der Fahrt unter dem Fahrdraht sollen die Busse bis zu 30 Km batterieelektrisch fahren können. In einem ersten Schritt sollen bei 2 vorhandenen Swisstrolley-Obussen die Hilfs-Dieselaggregate durch Batteriespeicher ersetzt werden. Die Fahrleitungen für einen IMC-Betrieb können einfacher ausgeführt werden, es werden weniger Weichen und auch insgesamt weniger Fahrdrahtstrecken benötigt. Insbesondere in sensiblen Innenstadtlagen kann auch auf den Fahrdraht verzichtet werden, so dass die Akzeptanz auch für die Einführung ganz neuer Systeme zunehmen wird. Mit der zusätzlichen Nutzung als Smart Grid zur Ladung von E-Pkw steigt die Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit der Fahrdrahtanlage, so dass wiederum ein weiterer Netzausbau möglich wird.

In einer VR-Präsentation wurde sodann die Wissenschaftsregion Arnhem - Nijmegen - Wageningen mit ihren Forschungsschwerpunkten vorgestellt.

Anschließend hatten wir die Gelegenheit zu einer Besichtigung des Breng-Obus-Betriebshofes und zu einer ausgiebigen Besichtigungsfahrt durch das Arnheimer Netz. Die hohe Zahl von Sonderfahrstreifen, ÖPNV-Trassen und Bevorrechtigung an Signalanlagen zeigt, dass das Prinzip "Stadtbahn auf Gummirädern" bei dem Arnheimer Obus-Betrieb wirklich verstanden und weitgehend umgesetzt ist. Herr Aldenkamp berichtete, dass die Neubaustrecke in das dichtbesiedelte Wohngebiet Schuytgraaf weitgehend ohne öffentliche Proteste realisiert werden konnte, nur wenige Bewohner hätten die ausgelegten Planunterlagen überhaupt eingesehen. Das Beispiel zeigt, dass die Furcht vor öffentlichen Protesten gegen Obus-Fahrleitungen in Deutschland vielleicht übertrieben ist und für Neueinführungen, zumindest bei IMC-Systemen, durchaus berechtigte Aussichten bestehen.

Die Ladestationen der Firma  Fransen Technical Services entnehmen den Ladestrom aus der OBus-Fahrleitung. Es werden jedoch zur Pufferung des Ladestrombedarfs Speicherbatterien zwischengeschaltet. Hierbei handelt es sich um ausgediente Li-Io-Fahrzeugbatterien, die hier eine sinnvolle Weiternutzung (second life) erhalten. Die Ladestationen sind im Gegensatz zu deutschen Modellen sehr platzsparend dimensioniert und zurückhaltend gestaltet.

Beim abschließenden nachmittäglichen Gang durch die Stadt zu unserem Sommerfest fiel auf, dass es auch in der HVZ zu keinen Staus auf den Straßen kam. Der Verkehrsanteil des Pkw in Arnhem ist hierfür zu gering. 

Die DVWG BV Rhein-Ruhr-Westfalen bedankt sich noch einmal recht herzlich bei allen Referenten und Gesprächspartnern, dagegen gilt unser ganz besonderer Dank Frau de Groot und Herrn Uil von der Stadtverwaltung Arnhem, die für uns dieses umfangreiche und hochinteressante Programm zusammengestellt und auch die Referenten und Gesprächspartner eingeladen hatten.

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