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Inbetriebsetzung der neuen Schwebebahnen

Am 25.10 besuchte die BV Rhein-Ruhr-Westfalen die Schwebebahnwerkstatt Wuppertal-Vohwinkel und konnte zu dieser Veranstaltung eine große Zahl von Teilnehmern begrüßen. Herr Thomas Kaulfuss, Betriebsleiter der Schwebebahn und Projektleiter für die neuen Schwebebahnfahrzeuge informierte über den aktuellen Stand bei der Inbetriebnahme der neuen Schwebebahnfahrzeuge. Herr Kaulfuss hat an der FH Bochum Automatisierungstechnik mit dem fachspezifischen Schwerpunkt E-Motoren, Pulsbreitenumrichter studiert. Bei der WSW mobil GmbH hatte er zuvor folgende Aufgaben wahrgenommen: Entwurf des rechnergesteuerten Betriebsleitsystems, Abteilungsleiter Schwebebahnfahrzeuge, Zugsicherung, E-Anlagen.

Nachdem in den 1990` er Jahren die Entscheidung zur vollständigen Erneuerung des Gesamtsystems Schwebebahn gefallen war, wurden zunächst das Fahrgerüst und die meisten Stationen neu gebaut. Aktuell steht die Einrichtung eines neuen Betriebssystems und die Beschaffung von 31 neuen Zügen mit einer Betriebsspannung von nunmehr 750 V anstelle von zuvor 600 V an. Hiermit soll die Schwebebahn künftig im 2 -Min.-Takt verkehren können.  Ursprünglich war ein 90-Sek.-Takt angedacht gewesen, der jedoch im fahrergesteuerten Betrieb mit einem 3,5%- Gefälle / Steigung nicht mehr zuverlässig hätte angeboten werden können. Ein fahrerloser Betrieb hätte jedoch die Beschaffungskosten für das Zugsicherungssystem um das vierfache und die Fahrzeugkosten noch einmal um 30% erhöht. Der Zuwendungsgeber war nicht bereit diese Mehrkosten mit zu finanzieren, so dass die Taktfrequenz für den nunmehr wieder fahrergesteuerten Betrieb auf 2 Min. festgesetzt wurde. Hierfür werden die 31 Fz. benötigt, wobei sich im regulären Betrieb umschichtig jeweils ein Fahrzeug in der Haupt- und eins in der Zwischenuntersuchung befindet. Der Neubau des Fahrgerüstes ermöglichte durch die Verlegung der Kehrschleife in Oberbarmen vor die Wagenhalle eine Einsparung von 3 Zügen im Gesamtumlauf. Eine zusätzliche Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit wird weitere Fahrzeugeinsparungen ermöglichen.

Der Design-Entwurf für die neuen Bahnen wurde nach europaweiter Ausschreibung an das Berliner Designbüro „büro+staubach“ vergeben, welches für die Innenausstattung 3 Farbkonzepte entworfen hat, die auch alle zum Einsatz kommen werden. Die Fertigung erfolgt in Valencia bei Stadler Espana. Komponenten werden aus verschiedenen europäischen Werken zugeliefert.

Im Frühjahr 2016 erfolgte die erste Probefahrt. Mittlerweile sind die ersten 4 Fahrzeuge eingetroffen und sollen in Kürze im regulären Betrieb eingesetzt werden. Zurzeit finden zahlreiche Personalschulungsfahrten mit den neuen Zügen statt.

Die räumlichen Abmessungen wie z.B. Wagenkästen und Drehgestellabstände entsprechen den Vorgängerfahrzeugen, aus Gewichtsgründen mussten jedoch auf die von den Designern vorgesehene Drehgestellverkleidung verzichtet werden. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 38,3 t, das neue Fahrgerüst verträgt zudem eine um 10% erhöhte Beschleunigung, so dass der Beschleunigungswert auf 1,3 m/Sek2 bis zum Erreichen einer Geschwindigkeit von 40 Km/h angehoben werden konnte. Die V/max beträgt 65 Km/h. Zugleich muss das Zugsicherungssystem gewährleisten, dass sich nicht mehr als 3 Züge zugleich in einem Dilatationsabschnitt, deren Längen bei etwa 300 m liegen, aufhalten. Für das Verschweissen der Wagenkästen kommt das „Reibrühr“-Verfahren https://www.youtube.com/watch?v=98SRpMM3Bq8 zum Einsatz, im Dachbereich weitgehend Klebetechnik. Jedes Fahrzeug enthält eine Verkabelung mit einer Gesamtlänge von 20 Km, die Fahrzeuge können sowohl mit 750 V als auch mit der bisherigen Betriebsspannung von 600 V fahren. Sobald genügend Neufahrzeuge für einen typenreinen Betrieb zur Verfügung stehen, soll auf den neuen Spannungswert umgeschaltet werden. Der historische „Kaiserwagen“ wird nach entsprechender Umrüstung ebenfalls mit 750 V fahren. Das neu beschaffte Betriebssystem wird von den WSW mit ETCS „Level 2-3“ bezeichnet. Es erfordert einen erheblich umfangreicheren Datenaustausch zwischen Zug, Leitstelle und Ortungssystemen (GPS). Auch die Radreifen erfordern bei der neuen  Schwebebahn einige Mehraufwendungen. Zum einen wird jedes Fahrzeug mit dem 2-Min.-Takt eine höhere Fahrleistung erzielen, zum anderen dürfen die Radreifen der Schwebebahn nur 8 mm im Gegensatz zu 30 mm bei der Straßenbahn abgefahren werden, damit der Absturz-Sicherungsbügel unter dem Schienenträger weiterhin „greift“.

Der erste reguläre Einsatz der neuen Fahrzeuge ist für Ende des Jahres 2016 vorgesehen. Am Tag des Besuches waren 4 Fahrzeuge vorhanden. Ab Beginn des nächsten Jahres sollen die neuen Züge im 2-Wochen-Abstand geliefert werden. Für die Inbetriebsetzung und Stück-Abnahme jedes Fahrzeuges benötigt die Werkstatt etwa 3 Wochen.

Bei der anschließenden Fahrzeug- Werkstattbesichtigung fand das ansprechende Design der neuen Züge, sowohl äußerlich als auch im Innenraum große Zustimmung.

Die zum Vortrag gezeigte Präsentation finden Sie im Download-Bereich

Weitere Informationen unter http://neue-schwebebahn.de/