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Exkursion zur Fernsteuerzentrale Wasserversorgung Datteln und anschließendem Sommerfest

Unsere diesjährige Exkursion mit anschließendem Sommerfest führte uns zur Fernsteuerzentrale Wasserversorgung (FZW) der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes nach Datteln.Herr Rusch, Schichtleiter der FZW übernahm vertretungshalber die Vorstellung der FZW.

Die Steuerzentrale Datteln wurde im Jahr 1984 errichtet. Zuvor erfolgte die Steuerung der Anlagen einzeln vor Ort. Bis 2001 erfolgte die Steuerung analog, danach wurde eine 2. Ausbaustufe eingeführt,  derzeit befindet sich eine 3. Stufe im Aufbau, so dass zunächst beide Steuerungen noch parallel betrieben werden.

Die FZW arbeitet mit  6 MA` im 24-Stunden - Dreischichtbetrieb an 365 Tagen im Jahr. Sie verfügt zudem über ein Havarie-Management und Service-Teams. Sie betreut 258 Kanalkilometer mit 15 Pumpwerken mit zus. 57 Pumpen, 17 Schieber und 3 Wehre. Im „Dattelner Meer“ treffen 4 Kanäle (Dortmund-Ems-Kanal (DEK), Rhein-Herne-Kanal (RHK), Wesel-Datteln-Kanal (WDK) und Datteln-Hamm-Kanal DHK) zu gemeinsamer Scheitelhaltung von 56,50 Meter über NN. zusammen. Aufgabe der FZW ist es, die Schiffbarkeit dieses Kanalnetzes als Bundeswasserstraßen zu gewährleisten. Der Wasserstand darf höchstens 10 cm  nach oben oder unten abweichen. Grundlage des Wasserangebotes im Kanalnetz bildet die Zuführung aus der Lippe nahe Hamm. Mit jeder Schleusung  werden etwa an der Schleuse Datteln 16.000 m3  Wasser zu Tal bewegt. Sparschleusen bestehen in Münster und Herne-Ost. Zugleich hat sich der Bund gegenüber dem Lippeverband vertraglich verpflichtet, eine Mindestwasserführung von 10 m3 / Sek. sicherzustellen, so dass in Trockenzeiten wie derzeit der Wasserstand der Lippe aus dem Kanalnetz aufgefüllt wird. Im derzeitigen Trockensommer beträgt die Wasserführung der Lippe allein nur noch 4,5 m3 / Sek. Der Referent stellte fest, dass die Niederschlagsmenge im Einzugsbereich der Lippe seit etwa 10 Jahren rückläufig ist, so dass seither die Rückpumpwerke regelmäßig zum Einsatz kommen. Die Pumpwerkskette am RHK sorgt für den Rücktransport des Wassers zur Lippe, wobei die einzelnen Pumpwerke regelmäßig an den Schleusen des RHK angeordnet werden. Inzwischen wird Wasser auch aus Ruhr und Rhein entnommen. Bei der seinerzeitigen Planung hatte sich die Pumpwerkskette im Vergleich zu einer Talsperre im Oberlauf der Lippe als deutlich kostengünstigere Lösung herausgestellt. Die Stromkosten liegen bei 8 Mio.-€ pro Jahr und werden absehbar deutlich steigen. Dies liegt auch an der der Zunahme von Schiffstransporten im Zuge der Umweltdiskussion. Dazu verzichtet die WSV Bund auch auf die Erhebung von Schleusengeld von der gewerblichen Schifffahrt.

Neben der Funktion als Bundeswasserstraßen erfüllen die westdeutschen Kanäle zusätzlich auch eine Aufgabe bei der Wasserversorgung der anliegenden Kraftwerke und Industrien. Hierzu besteht neben der WSV Bund der „Wasserverband westdeutsche Kanäle“ unter Aufsicht des Landes Nordrhein-Westfalen. Bund und Land hatten 1968 ein entsprechendes Abkommen geschlossen, welches auch die Kostenverteilung regelt. Der Verband steht nach Stilllegung der meisten Großkraftwerke an der Lippe vor großen Herausforderungen und ist um neue Abnehmer bemüht.

Links:

https://www.wsa-westdeutsche-kanaele.wsv.de/Webs/WSA/Westdeutsche-Kanaele/DE/Westdeutsche-Kanaele/UeberUns/Kontakt/Kontaktdaten_text.html

http://wasserverband-westdeutsche-kanaele.de/

Im Anschluss referierte Herr Dr. Rupert Henn, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DST Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsystem e.V. Duisburg zum Thema „Auf  dem Weg zum autonomen Binnenschiff“

Herr Dr. Henn erläuterte zunächst, dass im Unterschied zum autonomen Fahren auf Straße und Schiene die Abläufe im Binnenschiffsverkehr deutlich komplexer seien. Betrachtet werden müsse daher nicht allein das Fahren sondern auch weitere Vorgänge wie Festmachen, Laden, Löschen, Bunkern, Inspizieren und Reparieren, welche jeder für sich zusätzliche Kosten verursacht, so dass ein wirtschaftlicher Erfolg von Automatisierungsprozessen auch davon abhängt wie weit diese Schritte einbezogen werden können.

Gleichzeitig herrscht aber auch in dieser Branche ein Fachkräftemangel gerade bei Schiffsführer (inne)n. Mit automatisiertem / autonomen Fahren könnten Binnenschiffe ohne nächtliche Ruhepausen 24 Stunden am Tag verkehren und damit erheblich wirtschaftlicher betrieben werden als heute. Es bestehen analog zum Straßenverkehr 5 Stufen der Automatisierung, wobei Herr Dr. Henn Stufe Nr. 2 für erreicht hält. Das Schiff kann also eine definierte Strecke selbstständig fahren, Motorsteuerung und Kollisionsvermeidung geschehen weiterhin von Hand.

Binnenschiff- Fahrten unterliegen im Vergleich zu Straßenfahrzeugen zusätzlichen Einflussfaktoren wie Wasserstand, Strömungen und Witterungsbedingungen.

Die entsprechenden Sensoren befinden sich in der Entwicklung, bzw. es kommen die aus dem Straßenverkehr bereits bekannten Elemente (z.B. GPS, LIDAR, Radar, Ultraschall …) zum Einsatz.

Eine weitere mögliche Entwicklungslinie alternativ zum autonomen Fahren wäre die Fernsteuerung von Schiffen durch externes Bedienpersonal. Sie könnte ein Arbeiten von Land oder auch im Home-Office ermöglichen und die heutzutage als unattraktiv empfundenen Arbeitszeiten an Bord ersetzen, so dass mehr Fachkräfte für die Binnenschifffahrt gewonnen werden könnten.

Abschließend regte der Referent zur Kostensenkung ein Container-Transportsystem für Gewerbebetriebe in Häfen an, bei denen auch kleinere Sendungsgrößen unmittelbar zu einem ebenfalls an einer Wasserstraße ansässigen Empfänger gefahren werden könnten.

Die zum Vortrag gezeigte Präsentation finden Sie hier.

Link:

https://www.dst-org.de/