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Bedeutung der Verkehrswende für den ÖPNV in Düsseldorf - Ausgangslage - Maßnahmen - Perspektiven und jetzt ?

Am 25.08. referierte Herr Tim Bäumken von der Rheinbahn AG Düsseldorf in einem wieder einmal sehr gut besuchten Online-Vortrag zum Thema:
„Bedeutung der Verkehrswende für den ÖPNV in Düsseldorf - Ausgangslage - Maßnahmen - Perspektiven und jetzt ?“
Dipl.-Geogr. Tim Bäumken hat in Bochum Geographie mit dem Schwerpunkten Verkehrswesen und Soziologie studiert. Von 2003 bis 2009 war er als Angebotsplaner bei der Essener Verkehrs AG tätig. Dann wechselte er als Sachgebietsleiter in die Betriebsplanung bei der Rheinbahn AG in Düsseldorf, wo er seit 2016 die Abteilung Verkehrsplanung leitet.
Viele Jahre/Jahrzehnte spielte der Nahverkehr eher eine bescheidene Rolle in den Verkehrsgeflechten urbaner Räume. In suburbanen und ländlichen Räumen war man sogar auf dem Rückzug. Nur wenigen Metropolen gelang es, die Stärken eines leistungsfähigen ÖPNV auszubauen und den Anteil von Bussen und Bahnen am Gesamtverkehr zu erhöhen. 
Und dann schaffte es der Begriff „Verkehrswende“ auf die politische und gesellschaftliche Agenda. Umfangreiche Angebots- und Leistungssteigerungen im ÖPNV stellen seitdem neue Herausforderungen an die bestehenden Strukturen. Kapazitäten werden erweitert: Investitionen in Material, Infrastruktur und Personal sind erforderlich. 
Und mitten im Aufwind und in einer deutlich anwachsenden Fahrgastnachfrage mischt nun die Corona-Pandemie die Karten wieder ganz neu.
Der Referent stellte zunächst das Unternehmen, seine Entwicklung und die Zukunftsprojekte bis zum Beginn der Corona-Pandemie vor.
Nach einem politisch verordneten Schrumpfkurs seit den 2.000`er Jahren ist die Mitarbeiterzahl inzwischen wieder bei 3.000 angelangt, wobei sich die Personalgewinnung in dem vor Corona leergefegten Düsseldorfer Arbeitsmarkt recht schwierig darstellt. Die Rheinbahn verfügt über 480 eigene Busse und 300 Bahnen, ihr Kern-Bedienungsgebiet umfasst neben der Landeshauptstadt Düsseldorf noch die Kreise Mettmann und Rhein-Kreis Neuss. Die benachbarten Großstädte werden mit einzelnen Linien ebenfalls bedient. Die Fahrgastzahl steigt seit den 1990`er Jahren um ca. 0,7% jährlich und liegt inzwischen bei 229,3 Mio.
Diese Steigerung lag jedoch unterhalb des Einwohnerzuwachses der stark wachsenden Stadt Düsseldorf, so dass eine Steigerung des Modal-Split-Anteils des ÖPNV erst in jüngster Zeit festzustellen ist. 
Die Politik hat sich jedoch parteiübergreifend zu einem weiteren ÖPNV-Ausbau bekannt. Maßgeblich ist hier der Verkehrsentwicklungsplan „Mobilitätsplan D“. Die Rheinbahn hat hieraus verschiedene Wachstumsszenarien entwickelt, welche sowohl die erwartete Einwohnerzunahme (bis 2040 auf 700.000 EW) als auch die schrittweise Steigerung des Modal-Split-Anteils von derzeit 19% auf 21, 23, 25% und ? vorsehen.
Hinzu kommt ein im Vergleich zu anderen Metropolen überproportional hohes Anwachsen des Pendler- insbesondere des Einpendlerverkehrs. Dessen Quote war in Planungen für 2020 mit 276.000 angenommen worden, liegt jedoch bereits bei 312.000 Ein- und 100.000 Auspendlern. Bei einem Anteil von 56% Single-Haushalten in Düsseldorf gestaltet sich zudem die Deckung des Wohnflächenbedarfs in Düsseldorf durch Neubau besonders schwierig.
Zur Bewältigung der daraus zu erwartenden Verkehrszunahme jedoch bedeutende Investitionen in Fahrzeuge, sonstige Infrastruktur und zusätzliche Fahrleistung erforderlich.
Für die Verkehrsmittelwahl zugunsten des ÖPNV werden 25% Mehr-Zeitaufwand im Vergleich zum IV noch akzeptiert, weitere maßgebliche Qualitätskriterien sind Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.
Die Rheinbahn setzt daher auf umfassende Beschleunigung durch LSA-Anforderung, Schaffung von weiteren Busspuren und weiteren Ausbau des Stadtbahnnetzes, vor allem im Bereich Messe – Flughafen (U80/81). Auch soll eine weitgehende Barrierefreiheit im Schienennetz durch strikte Trennung des Hoch- vom Niederflurnetz erreicht werden. Die Politik fordert zudem, dass neu errichtete Arbeitsstätten zu 90% mit Verkehrsmitteln des Umweltverbundes erreicht werden sollen.
Trotz der erklärten grundsätzlichen politischen Bereitschaft gestaltet sich die Umsetzung und Akzeptanzgewinnung vor Ort doch recht schwierig. Insbesondere bei Anwohnern ist leider immer häufiger eine ablehnende Haltung festzustellen, die damit begründet wird, dass die Maßnahme für sie selbst keinen Nutzen bringt, sondern „nur“ den Einpendlern oder Messebesuchern dient.
Für die über die Autobahnen 46 und 52 einpendelnden Schnellbuslinien wünscht sich die Rheinbahn in Verlängerung der innerstädtischen Busspuren eine Freigabe der Standstreifen.
Die Modernisierung der Busflotte umfasst die Anschaffung von Euro 6 – Dieselbussen, Batterie und künftig Wasserstoffbussen.
Die letzte Angebotsausweitung zum 12.08.2020 https://mehr-rheinbahn.de/ erbringt in vielen Bereichen eine Angleichung des Samstags- an den Werktagsfahrplan, wobei diese Mehrleistungen mit den vorhandenen Ressourcen erbracht werden können. Gewünscht sind jedoch auch Mehrleistungen in der HVZ, wobei die Kapazität schon jetzt auf gleichzeitigen Berufs- und Veranstaltungsverkehr ausgelegt sein muss. Die Rheinbahn vertritt weiterhin eine offensive Angebotspolitik, wodurch die jährlichen Steigerungen der Fahrleistung mit 2,7% regelmäßig über der prozentualen Zunahme der Fahrgastzahlen liegen.
Die Corona-Pandemie führte ab dem 18.03.2020 zur Ausdünnung des Werktags- auf einen ganztägigen Samstagsfahrplan und Streichung der Nacht-Angebote. Ab dem 27.04. wurde das Angebot schrittweise wieder hochgefahren und zum 12.08. auch die zusätzliche Angebotsausweitung umgesetzt. Mittlerweile liegt die Fahrgastzahl wieder bei 65% der Vor-Corona-Zeit, wobei die Rheinbahn im Gegensatz zu reinen Busbetrieben keinen so starken Einbruch verkraften musste. Dennoch beliefen sich die Fahrgeldausfälle durch Fortfall des Fahrausweisverkaufs beim Fahrer auf 3 Mio.-€ monatlich.
Aktuell bietet die Bundesregierung den Städten Mittel an, um die Schülerverkehre durch Einsatz von zusätzlichen (Reise-)bussen zu entzerren. Diese sind in ihrem touristischen Kerngeschäft weiterhin nicht ausgelastet.
Abschließend wurde festgestellt, dass sich das Format Online Vortrag, auch aus Sicht des Referenten, für den dies eine Premiere war, durchaus etabliert hat. Dennoch streben wir an, die nächste Veranstaltung zumindest auch als Präsenz / Hybridveranstaltung anzubieten.

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